Ulrich Seybold, München
Influenza Welcher Impfstoff bei über 60jährigen?

Efluelda® (Sanofi) oder dem MF59-adjuventierten Influenzaimpfstoff Fluad® (Seqirus).1, 2 Beide Impfstoffe gelten als gleichwertig wirksam und sollen den bestmöglichen Schutz vor einer schweren Influenzaerkrankung und deren Komplikationen bieten.3

Hochdosis besser als Standard

1 Generell können inaktivierte Grippeimpfstoffe während der gesamten Schwangerschaft angewendet werden (s. Fachinformationen). S: Standardimpfung, I: Indikationsimpfung, B: beruflich indizierte Impfung, R: Reiseimpfung Quellen: Deutsches Apotheken Portal (DAP), Fachinformationen, STIKO-Empfehlungen 2
1 Generell können inaktivierte Grippeimpfstoffe während der gesamten Schwangerschaft angewendet werden (s. Fachinformationen). S: Standardimpfung, I: Indikationsimpfung, B: beruflich indizierte Impfung, R: Reiseimpfung Quellen: Deutsches Apotheken Portal (DAP), Fachinformationen, STIKO-Empfehlungen 2

In der randomisierten dänischen DANFLU-2 Studie mit 332.348 über 65-jährigen Teilnehmenden senkte die Hochdosis- im Vergleich zur Standarddosis-Impfung zwar die Häufigkeit von Krankenhausaufnahmen und Pneumonien, das Ergebnis war aber statistisch nicht signifikant.4 In der präspezifizierten sekundären Analyse der gleichen Studie war die Inzidenz von stationären Behandlungen wegen kardiorespiratorischen Erkrankungen (insbesondere Herzinsuffizienz) jedoch in der Gruppe der Hochdosis-Impfung geringer.4, 5 In der sehr ähnlich angelegten spanischen GALFLU Studie mit 103.169 Teilnehmenden zeigte sich in der Hochdosis-Gruppe ein signifikant zusätzlicher protektiver Effekt bzgl. Hospitalisation aufgrund von Influenza oder Pneumonie, allerdings traten in beiden Gruppen unerwartet wenig primäre Ereignisse auf, so dass gemäß Protokoll diese Analyse lediglich als deskriptiv gilt.6 Die primär geplante gepoolte Auswertung der beiden Studien belegt aber dann die statistisch signifikante Überlegenheit der Hochdosis-Impfung.

Unterschiede Hochdosis-Impfstoff und adjuvantierter Impfstoff

Das Adjuvans MF59 ist eine Emulsion des natürlich vorkommenden Öls Squalen in einem Zitronesäurepuffer durch die nichtionischen oberflächenaktiven Substanzen Polysorbat 80 und Span 85. Es induziert starke humorale (IgG) und zellvermittelte Antworten. Der Mechanismus ist nicht vollständig geklärt, aber es verstärkt die Chemokinsekretion von Immunzellen, was die Präsentation des Impfstoffantigens und die Rekrutierung weiterer immunkompetenter Zellen unterstützt.11 Es verstärkt die Immunogenität auch gegen
heterovariante (gedriftete) Influenzaviren, was von besonderer Bedeutung ist, wenn die Influenzastämme im Impfstoff mit den zirkulierenden Viren nicht optimal übereinstimmen.

Der nichtadjuvantierte Hochdosis-Impfstoff enthält im Vergleich zum Standard die vierfache Menge an Antigen (60 µg/Stamm).

Hochdosis oder adjuvantiert?

US-amerikanische Beobachtungsstudien zeigten im indirekten7 oder direkten8 Vergleich der beiden Impfstoffen keine signifikanten Unterschiede. Beide Vakzine erlauben auch die gleichzeitige Gabe mit einem COVID-19-, (proteinbasierten) RSV- oder Pneumokokken-Impfstoff.9 Damit gibt es für die Praxis kein klares Argument für einen der beiden Impfstoffe. Last but not least ist auch der (unrabattierte Apotheken-VK-) Preis identisch.

Immundefizienz

Die US-amerikanische Impfkommission ACIP empfiehlt für Menschen mit Organtransplantation beide Impfstoffe als gleichwertige Alternativen.10 Die entsprechende deutsche Empfehlung aus dem Jahr 2020 geht nicht auf die Verwendung weiterentwickelter Influenzaimpfstoffe ein.

Literatur beim Verfasser

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