Till Koch, Itzehoe
Antibiotic Stewardship – Interdisziplinäre Online-Fortbildung stärkt Kompetenzen

Virtuelle Fortbildung wird immer wichtiger. Doch wie effektiv sind Online-Kurse? Die vorliegende Evaluation zeichnet ein positives Bild.

In der multizentrischen Studie „Improving antibiotic stewardship skills throughinterdisciplinary online education“ untersuchten Koch et al. den Effekt eines strukturierten, interdisziplinären Online-Kurses zur Förderung von Kompetenzen im Antibiotic Stewardship bei Ärzt:innen und Apotheker:innen.

Abb 1
Abb 1 Selbsteinschätzung der Handlungssicherheit der Teilnehmenden im Umgang mit Antibiotikatherapie vor und nach dem Kurs. Dargestellt ist ein „Umbrella“-Diagramm zur Einschätzung der Handlungssicherheit der Teilnehmenden im Umgang mit Antibiotika vor („pre“, rot) und nach („post“, blau) dem Kurs im Jahr 2024. Die Teilnehmenden wurden gebeten, ihre Handlungssicherheit in Bezug auf 25 Items auf einer siebenstufigen Skala zu bewerten, wobei niedrigere Werte eine höhere wahrgenommene Vorbereitung anzeigen (1 = sehr gut vorbereitet; 4 = ausreichend vorbereitet; 7 = überhaupt nicht vorbereitet). Dargestellt sind die mittleren Handlungssicherheitswerte pro Fragebogen-Item. ABx: Antibiotika, POC: Point-of-Care, mibi: mikrobiologisch, uRTI: Infektion der oberen Atemwege, PAP: perioperative Antibiotikaprophylaxe, nec: notwendig, inf: Infektion, neg: negativ

Der Kurs wurde von einem interprofessionellen Team aus Infektiolog:innen und Krankenhausapotheker:innen entwickelt und in mehreren norddeutschen Krankenhäusern umgesetzt. Didaktisch basierte das Konzept auf Prinzipien der Erwachsenenbildung wie der Orientierung an konkreten Lernbedarfen der Teilnehmenden, der Problemzentrierung und dem Bezug zum eigenen beruflichen Handlungskontext. Aspekte sozial-kognitiver Lerntheorien wurden durch interprofessionelle Co-Lehre, modellhaftes Vorgehen bei klinischen Entscheidungsprozessen sowie durch interaktive Diskussionen und Feedbackmechanismen umgesetzt. Zentrale Elemente waren problem- und fallbasiertes Lernen, interaktive Vorabfragen („questions first, answers later“) sowie moderierte Diskussionen mit Live-Feedback. Jede Sitzung wurde gemeinsam von einer ärztlichen und einer pharmazeutischen Lehrperson durchgeführt.

Die Evaluation erfolgte in einem prä-post-Design ohne Kontrollgruppe. Nach jeder Sitzung bewerteten die Teilnehmenden Inhalte, Didaktik und praktische Relevanz. Zusätzlich schätzten sie ihre eigene Sicherheit in zentralen Bereichen der rationalen Antibiotikatherapie ein, darunter Diagnostik, Therapieinitiierung, Re-Evaluation, Umgang mit Antibiotikaallergien, Leitlinienanwendung und Wissen zur lokalen Resistenzlage (Abb. 1). Die Datenerhebung erfolgte anonym, ohne Leistungsprüfungen oder personenbezogene Zuordnung.

Positive Bewertung

Die Teilnehmenden bewerteten das Lehrformat insgesamt sehr positiv. Inhalte, didaktische Aufbereitung und Praxisrelevanz erhielten durchweg gute bis sehr gute Rückmeldungen. Im Vergleich zwischen Vor- und Nacherhebung zeigte sich eine deutliche Verbesserung der selbst eingeschätzten Handlungssicherheit über alle abgefragten Domänen hinweg (s. Abb.). Besonders ausgeprägt war der Zugewinn bei Themen, die in der klinischen Praxis häufig Unsicherheiten verursachen, wie die Bewertung von Antibiotikaallergien, die leitliniengerechte perioperative Prophylaxe sowie die Berücksichtigung lokaler Resistenzdaten.


Literatur

Koch, T., Jochum, J., van der Linde, A. et al. Improving antibiotic stewardship skills through interdisciplinary online education: a multicenter teaching intervention for physicians and pharmacists. BMC Med Educ 26, 110 (2026). https://doi.org/10.1186/s12909-025-08348-4


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