Christoph Stephan, Frankfurt
CROI 2026 – Persönliche Eindrücke
Die CROI ist in jedem Jahr ein Highlight in meinem Jahresplan, eine Konferenz, auf der wegweisende wissenschaftliche Erkenntnisse und Top-Studienergebnisse präsentiert werden. Der Kongress ist sich seiner besonderen Rolle auch durchaus bewusst und gibt strenge Regeln vor. So werden beispielsweise WissenschaftlerInnen, die ihre Studienergebnisse schon vor der CROI publik machen, von der Kongressleitung sehr verschnupft mit einem Embargo für zukünftige Präsentationen belegt.

„I support Science“ – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, muss aber in diesen Zeiten als politische Bekundung gezeigt werden
Einreisehürden
Die ESTA-Einreisebestimmungen für EuropäerInnen sind (noch) relativ unkompliziert. WissenschaftlerInnen aus anderen Ländern haben keine so einfache Einreise. Immer wieder fiel auf, dass Präsentierende aufgrund ihrer Herkunft aus einem mit einem Einreiseverbot belegten Land auf der CROI fehlten. Hier standen StellvertreterInnen auf der Bühne – was die Stimmung im Saal spürbar drückte. Zudem plant die Trump-Regierung noch viel strengere Einreisebedingungen mit Erfassung von Social-Media-Profilen, E-Mails und Telefonnummern der letzten 5-10 Jahre auch ggf. DNA-Proben – keine schöne Vorstellung! Ob man den Kongress unter solchen Bedingungen noch besuchen will, muss jeder für sich entscheiden. Aktuell war die Einreise am Flughafen wie immer, keine besonderen Vorkommnisse.
Kritische Haltung
Der Kongress gibt sich durchaus kritisch gegenüber den Bestrebungen der US- bzw. Trump-Administration. Die Auswahl der RednerInnen und Preisträger, insbesondere bei der Eröffnungsveranstaltung, fand ich wegweisend: Es wurden kritische Forschende und Aktivisten ausgezeichnet für ihr Lebenswerk. Peter Staley hielt einen mutmachenden Vortrag mit dem Titel: „Annus horribilis“ („schreckliches Jahr“ [nach Trumps Machtübernahme]). Linda-Gail Bekker, die visionäre ärztliche Leiterin des Desmond Tutu-HIV-Instituts in Südafrika, berichtete von den Auswirkungen der Kürzungen in ihrem Land. Und auch im persönlichen Gespräch mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Afrika erfuhr ich, dass Förderungen über Stiftungen wie die Bill- & Melinda Gates-Foundation, eine bessere Perspektive haben als von staatlichen Quellen.
Spürbare Sorgen
Die
offene Opposition gegenüber der Trump-Administration wurde
allerdings vermieden. Viele US-amerikanische Teilnehmerinnen und
Teilnehmer haben offensichtlich Angst um ihre Forschungs-Grants. Wenn
die Gelder gestrichen werden, können die Leute nicht weiter an ihren
Projekten arbeiten und eine wissenschaftliche Karriere ist ganz
schnell beendet.
Positiv fiel mir hier der Plenarvortrag von
Jeanne Marrazzo aus Virginia auf, der mit kritischen Bemerkungen
gegenüber dem neuen Regierungsstil gespickt war. Hier gab es immer
wieder – wie auch bei anderen Präsentationen – immer wieder
Applaus, wenn gegen den neuen Regierungsstil Stellung bezogen
wurde.
Kürzungen und ihre Folgen
Die USA haben ihre Unterstützung für HIV-Projekte in Afrika stark eingeschränkt. Auf der CROI 2025 wurden Projektionen gezeigt, welche konkrete Auswirkungen eine komplette Streichung der Gelder haben könnte. Ich habe in diesem Jahr eigentlich erwartet, zu erfahren, welche Auswirkungen die Kürzungen nun bis zum aktuellen Zeitpunkt haben. Dazu gab es aber nur wenig konkrete Informationen. Es schien so, dass in Afrika einige Projekte durch Umstrukturierungen am Leben erhalten werden konnten. Gleichzeitig wurde aber auch berichtet, dass die Versorgung im ländlichen Bereich vor dem Kollaps steht oder zusammengebrochen ist.
Die nächste CROI findet in San Diego statt, ungewöhnlich spät Ende März, kurz vor Ostern. Mal sehen, ob weiterhin mit so großer internationaler Beteiligung.








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