Onlinekurs Zur Ambulanten ABS
Die ambulante ABS gehört auf die politische Agenda
Die Lage ist erschreckend: Die World Health Organization (WHO) stuft antimikrobielle Resistenzen als eine der zehn größten globalen Gefahren für die öffentliche Gesundheit ein. Fünf Millionen Todesfälle im Jahr werden damit in Verbindung gebracht – mehr als eine halbe Million davon in Europa. Jede sechste bestätigte bakterielle Infektion weltweit reagiert nicht mehr auf Standard-Antibiotika.
Die Entwicklung neuer Antibiotika kommt dem nicht hinterher. Deswegen wird eine rationale Verordnungspraxis immer wichtiger, die vielbeschworene Antibiotic Stewardship (ABS). Gemeint ist damit die Installation von Maßnahmen, um den Antibiotika-Verbrauch zu senken, besonders von Breitband- und Reserveantibiotika. In vielen Kliniken sind entsprechende Leitlinien und Programme keine Seltenheit mehr. Im ambulanten Bereich findet eine Institutionalisierung von ABS dagegen kaum statt. Dabei gehört sie genau dorthin – denn schätzungsweise 85 Prozent der Antibiotika werden ambulant verordnet.
Onlinekurs mit drei Modulen
Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte für Infektionskrankheiten und HIV-Medizin (dagnä) bietet deswegen seit Kurzem einen Online-Kurs zur ambulanten ABS an. In drei Modulen sollen die Teilnehmenden praxisnahe und -taugliche Maßnahmen zur Verbesserung des Antibiotikaeinsatzes kennenlernen, „mit denen sich der Verbrauch in der eigenen Praxis gezielt und sinnvoll reduzieren lässt“, wie die dagnä-Website verspricht.
Ende
Januar fanden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die ersten zwei
Module statt. Dafür wurden gezielt dagnä-Mitglieder angesprochen,
mehr als 50 Mediziner:innen nahmen jeweils teil – für die dagnä
ein großer Erfolg und gleichzeitig ein Beleg, wie groß der Bedarf
in den Praxen ist. Das dritte Modul ist für den 24. April ge-plant.
Während es in den ersten
beiden Terminen um eine Einführung
in die ABS und ihrer Prinzipien ging, stehen für den Abschluss
verschiedene Krankheitsblöcke mit Fallbeispielen und
Therapieempfehlungen auf dem Programm.
Unterstützung im ambulanten Bereich
„Das Thema ambulante ABS gehört auf die politische Agenda“ sagt Heiko Karcher aus dem dagnä-Vorstand. Die klinischen Strukturen ließen sich nicht einfach übertragen, denn im ambulanten Bereich gehe es meist um andere Infektionen und andere Antibiotika, gleichzeitig gebe es nur eine limitierte Resistenzdatenlage und es fehlen die zentralisierten Strukturen der Kliniken. „Die Praxen brauchen Unterstützung, damit sich alle die geforderte Expertise aneignen können.“
Statt nur politische Aufmerksamkeit zu fordern, habe die dagnä konkret etwas anbieten wollen, sagt Karcher. „ABS gehört zur Aufgabe der ambulanten Infektiologie, die wir als dagnä ja repräsentieren“, sagt Karcher. „Deswegen haben wir diesen Kurs ins Leben gerufen.“
Zusammen mit seinen Vorstandskollegen Michael Sabranski und Roger Vogelmann hat Karcher die wissenschaftliche Leitung des Kurses übernommen, als Partner ist die Akademie für Infektionsmedizin an Bord. Zu den Referierenden gehören ABS-Expert:innen wie Tim Eckmanns vom Robert Koch-Institut, Caroline Isner vom Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum, Hartmut Stocker vom Berliner St. Joseph Krankenhaus Berlin sowie Annette Hennigs und Till Koch vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Zertifiziert wird der ABS-Kurs über die Berliner Ärztekammer in den Bereichen Infektiologie, Immunologie und Innere Medizin.
„Wir möchten mit dem Kurs ein dauerhaftes Angebot schaffen“, sagt Karcher. Man fange mit den dagnä-Mitgliedern an, um zu sehen, wie es angenommen werde. „Doch letztlich gehören alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zur Zielgruppe.“
Weitere Informationen Fortbildung ambulante Antiobiotic-Stewardship unter www.dagnae.de/fortbildung/ambulante-abs.








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