Dermatophilus Congolensis
Dermatophilose bei MSM

Seit Jahresbeginn wurden in Berlin und anderen europäischen Großstädten ­vermehrt Fälle dieser seltenen bakteriellen Hautinfektion beobachtet.

Dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso; FG Surveillance und Epidemiologie von Infektionskrankheiten) wurden seit Dezember 2025 16 Fälle von Dermatophilus congolensis bei Männern, die angaben Sex mit Männern zu haben (MSM) gemeldet. Ähnliche Cluster mit MSM wurden seit Anfang 2026 auch in Barcelona und Lyon sowie 2025 ein Fall in Köln beobachtet. Bei fast allen Fällen wurden Saunabesuche, vorwiegend in Sex-positiven Männersaunen, und (anonyme) sexuelle Kontakte im potentiellen Ansteckungszeitraum genannt.

Bild Brust © Dr. Henning Klorikal© Dr. Henning Kolarikal

Dermatophilus congolensis ist ein gram-positives, fakultativ anaerobes Bakterium aus der Klasse der Aktinomyzeten. Es befällt in der Regel Wiederkäuer (Dermatophilose oder Regenräude) und andere Tiere, bei Menschen gibt es bisher nur Einzelbeschreibungen.

Transmission

Aktuell ist unklar, ob in Saunen eine Infektionsquelle in der unbelebten Umwelt vorliegt, oder es Mensch-zu-Mensch Kontakte im Rahmen von ­sexuellen Netzwerken sind. Bei den Fällen in Frankreich und Spanien ist eine genetische Verwandtschaft des Erregers beschrieben, was auf eine Kontakt-Transmission in Netzwerken deutet. Ein Vergleich der Stämme in Berlin läuft aktuell.

Die Inkubationszeit des Erregers liegt wahrscheinlich bei bis zu zwei Wochen. (Median: 3 Tage). Hierbei handelt es sich um eine Schätzung anhand der bisher bekannten aktuellen Fälle. Die Nachweise erfolgten aus Haut- und Wundabstrichen durch Kultur auf Blutagar.

Klinik

Klinisch führt die Infektion beim Menschen zu pockenartigen Hautläsionen ggf. auch im Intimbereich. Krustige sowie schuppenartige Beläge sind beschrieben. Differentialdiagnostisch sind Mpox sowie eine Mykose abzugrenzen.

Bisher haben verschiedene Therapiestrategien zum Erfolg geführt: topische Antibiotika wie Fusidinsäure sowie orale Antibiotika – je nach Ausprägung. Die Hautpartien sollten trocken gehalten werden.

Meldungen

Nachweise von D. congolensis sollten in der Meldekategorie „Bedrohliche übertragbare Krankheiten“ über DEMIS an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden.




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