DGI LogoInterview mit Prof. Gerd Fätkenheuer, Köln
Infektiologie immer noch ohne Vergütung
Das muss sich ändern!

Prof. Gerd FätkenheuerProf.
Gerd Fätkenheuer
Referent des
Vorstands der DGI
© Universitätsklinikum Köln

Die DGI hat sehr um die Leistungsgruppe Infektiologie gekämpft, leider ohne Erfolg. Was waren die Gründe?

Fätkenheuer: Wir haben sehr gute und positive Gespräche mit vielen Personen aus der Politik geführt. Man hat unser Anliegen verstanden und war auch offen, aber zur Umsetzung haben vor allem OPS-Kodes gefehlt, die infektio­logische Leistungen klar von denen anderer Fachbereiche trennen. Der OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel) ist die amtliche Klassifikation zum Verschlüsseln von medizinischen Leistungen, der von den Krankenhäusern neben den DRG (Diagnosenschlüssel) zur Abrechnung verwendet wird. So sind beispielsweise in einer DRG für eine Pneumonie auch die Antibiotika Therapie sowie diagnostische Leistungen enthalten. Wurde bei dem Patienten mit Pneumonie auch ein Infektiologe beratend hinzugezogen, geht diese konsiliarische Leistung der Infektiologie ohne entsprechenden OPS-Kode leer aus.

Werden Sie OPS-Kodes beantragen?

Fätkenheuer: Ja, das haben wir auf jeden Fall vor. Das ist ein sehr aufwändiger Prozess und an der Entscheidung sind viele Player beteiligt, unter anderem die Krankenkassen, die Krankenhausgesellschaft sowie viele Verbände und Fachgesellschaften. Man muss sich klar machen, dass ein neuer OPS-Kode nicht automatisch bedeutet, dass es dann für die kodierte Leistung auch mehr Geld gibt. Vielmehr dient er zunächst einmal dazu, diese Leistung im DRG-System sichtbar zu machen. Erst im weiteren Verlauf entscheidet sich dann, ob der OPS-Kode auch mit einem zusätzlichen Entgelt verbunden ist.

Wie könnte denn ein solcher OPS-­Kode für die infektiologische Beratung aussehen?

Fätkenheuer: Im Grund sollte er sehr einfach gestrickt sein. Er sollte erfassen, ob eine Ärztin oder ein Arzt mit spezifischer infektiologischer Expertise in die Behandlung einbezogen wurde. Hier sollte auch noch der Grad der Expertise gekennzeichnet werden: Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie, Facharzt mit Zusatzweiterbildung Infektiologie oder ABS-Experte. Damit wür­de die Versorgungsrealität im Bereich Infektiologie abgebildet.

Entscheidend ist also der politische Wille …

Fätkenheuer: Das ist richtig. Die Politik hat uns auch die Hand gereicht, indem sie die Infektiologie weiterhin im Rahmen des Krankenhausentgeltgesetzes fördert. Dieser Erfolg ist nicht zu unterschätzen, da dies gegen die Interessen der Kostenträger durchgesetzt wurde. Aber diese Förderung ist natürlich nicht ausreichend. Letztlich muss es das Ziel sein, die Infektiologie möglichst schnell in den Katalog der Leistungsgruppen aufzunehmen und damit ihre strukturelle Verankerung im System zu sichern.

In Zukunft wird künstliche Intelligenz in der Klinik eine große Rolle spielen. Macht das die/den Infektiologin/Infektiologen überflüssig?

Fätkenheuer: (lacht) Ja, die KI wird kom-men, aber sie ist nicht mehr als eine Ergänzung. Wir werden weiterhin die fachliche Expertise und den persönlichen Einsatz des Arztes benötigen. Ein Beispiel: Ich wurde von chirurgischen Kollegen zu einem Patienten mit der Diagnose „Sternum-Osteomyelitis nach Herz-OP“ gerufen. Doch nach dem Gespräch mit dem Patienten, der klinischen Untersuchung und genauer Durchsicht der Akten war klar, dass es eine ganz andere Ursache für das Fieber und die erhöhten Entzündungsparameter gab: eine Pyelonephritis hatten die chirurgischen Stationsärzte nicht auf dem Radar. Man sollte sich also darüber klar sein: die KI ist nur so gut wie die Prompts.

Wie sehen Sie die Zukunft der Infektiologie in Deutschland?

Fätkenheuer: Ich bin da sehr optimis-tisch. Die Öffentlichkeit und die Politik haben durch die Corona Pandemie die Bedeutung der Infektiologie erkannt, Antibiotika-Resistenzen sind eine sehr deutlich wahrgenommene Gefahr, und unerwartete oder neu aufgetretene Infektionskrankheiten erscheinen regelmäßig in den Schlagzeilen. Und allen ist klar, wer gute Leistung haben will, muss für eine adäquate Vergütung sorgen. Es ist ein dickes Brett, aber wir werden konstant weiter bohren.




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