Phagentherapie
Neue Option in Frankfurt


Die antibakterielle Behandlung mit Phagen ist Neuland in Deutschland.
Eine neue deutsche Leitlinie erleichtert den Einsatz.

Angesichts der stetig steigenden Resistenz gegen Antibiotika werden neue Optionen der antimikrobiellen Therapie dringend gebraucht. Eine solche neue Option ist die Therapie mit Bakteriophagen. Der Einsatz von Phagen zur Therapie und Forschung war in Deutschland bislang kaum möglich. Die AWMF-S2k-Leitlinie schafft erstmals eine verlässliche Grundlage für den strukturierten Einsatz der Phagentherapie in Deutschland. Sie wurde von den infektiologischen Schwerpunkten der Universitäten Frankfurt und Köln koordiniert und wird demnächst veröffentlicht (Infection&more wird berichten). Die mehr als 60 konsensbasierten Empfehlungen wurden gemeinsam von Patientenvertretungen, Fachgesellschaften sowie internationalen Expertinnen und Experten erarbeitet.Das Phagenlabor in Frankfurt wurde im Schwerpunkt Infektiologie darauf basierend so entwickelt, dass es die Vorgaben der Leitlinie für die Anwendung der Therapeutika vollumfänglich umsetzen kann und bietet seit Februar 2026 in ausgewählten Fällen erstmals die Möglichkeit einer Testung und – bei ge­eig­neter Konstellation – einer ergänzenden Therapie mit Bakteriophagen an. Das Angebot richtet sich insbesondere an Patientinnen und Patienten mit schwer therapierbaren Infektionen durch Pseudomonas ­aeruginosa.

Individuelle Prüfung

Die hohe Spezifität der Phagen macht eine personalisierte Diagnostik zwingend erforderlich. Aus diesem Grund erfolgt stets eine individuelle Prüfung, ob der jeweilige bakterielle Erreger auf verfügbare Phagen empfindlich ­re­agiert. Nach Isolation des Patientenbakteriums erfolgt im Phagenlabor eine gezielte Testung. Je nach Infektionsort kommen unterschiedliche pharmazeutische Formulierungen zum Einsatz, um eine möglichst effektive ­lokale oder systemische Anwendung zu ermöglichen.

Register

Um systematisch Daten zur Phagentherapie in Deutschland zu erfassen und deren Sicherheit sowie Wirksamkeit wissenschaftlich zu untersuchen, stellt die Universitätsmedizin Frankfurt nun ein deutsches Register bereit. Es wurde zur leitliniengerechten Dokumentation etabliert und basiert auf einem über mehrere Jahre gemeinsam entwickelten Datensatz. Das Register ermöglicht sowohl prospektive als auch retrospektive Datenerhebungen, lokale Fallanalysen sowie die anonymisierte Einbindung in das internationale Phagistry-Register.

Angebot

Aktuell besteht ein Angebot ausschließlich für die Therapie gegen einen einzelnen bakteriellen Erreger. Für eine mögliche Indikationsprüfung ist vorab eine Kontaktaufnahme erforderlich. Informationen zum Ablauf finden sich auf der Website der Universitätsmedizin Frankfurt: www.unimedizin-ffm.de/bacteriophages. 

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