Roger Dumke, Dresden
Resistenz bei Mycoplasma genitalium Situation und Testung

Trotz begrenzter epidemiologischer Bedeutung ist M. genitalium eine Herausforderung in der klinischen Praxis. Die Ursache liegt in einer schnellen Ausbreitung von Resistenzen gegenüber den vorrangig empfohlenen Antibiotika. Die Behandlung der Infektionen wird zunehmend kompliziert.

Die antibiotische Therapie von Infektionen durch Mykoplasmen/Ureaplasmen ist grundsätzlich schwierig. So liegt durch das Fehlen der bakteriellen Zellwand eine intrinsische Resistenz gegenüber Betalaktamantibiotika vor. Alle nationalen und internationalen Leitlinien empfehlen daher Makrolide (ML) und Fluorchinolone (FC) zur Behandlung von Infektionen durch M. genitalium. Weitere relevante und in der Wirksamkeit geprüfte Antibiotika (Doxycyclin, Pristinamycin, Minocyclin) sind in ihrer Effizienz begrenzt (ca. 35% Eradikation bei Anwendung von Doxycyclin) oder eingeschränkt verfügbar, so dass der Empfindlichkeit der zirkulierenden Stämme gegenüber den beiden vorrangig empfohlenen Behandlungsoptionen eine besondere Be­deutung für die Therapie zukommt.

Resistenz-Mutationen

Region/Land Empfehlung zur
Resistenzbestimmung
Empfehlung zur Durchführung eines
test of control (ToC)
WHO ja (wenn verfügbar) nicht erwähnt
Europa ja (Makrolide) ja (≥3 Wochen nach Abschluss der Therapie)
UK ja (Makrolide) ja (bei persistierenden Symptomen)
USA ja (wenn verfügbar) ja (wenn Resistenztestung nicht verfügbar und Moxi­floxacin nicht einsetzbar)
Australien ja (wenn verfügbar) ja (bei persistierenden Symptomen und /oder Risiko einer Reinfektion)
Südkorea ja (Makrolide) ja (≥3 Wochen nach Abschluss der Therapie)

Tab. 1 Ausschnitte aus den Empfehlungen ausgewählter internationaler Leitlinien zur Behandlung von M. genitalium-Infektionen.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand wird die Resistenz eines M. genitalium-Stammes ausschließlich durch Punktmutationen in den bakteriellen Zielstrukturen der Antibiotika (ML: 23S rRNA bzw. FC: Topoisomerase ParC) vermittelt. Damit ist eine relativ unkomplizierte molekulare Testung der Empfindlichkeit möglich. Kommerzielle Systeme zur Prüfung der ML- und FC-Resistenz sind inzwischen verfügbar; ihre breite Anwendung in der Routinediagnostik wird jedoch durch die fehlende Abrechenbarkeit dieser Untersuchungsleistung eingeschränkt. Phänotypische Resistenzbestimmungen bleiben bisher durch die komplizierte und langwierige Kultivierung von klinischen Isolaten auf weltweit wenige Referenzzentren begrenzt.

Die in der Praxis häufigen Basenaustausche an den Positionen 2063 oder 2064 der 23S rRNA führen zu ML-resistenten Stämmen und damit wahrscheinlich zum Therapieversagen. Dagegen ist die Bewertung von Mutationen im parC-Gen hinsichtlich der klinischen Relevanz schwieriger. Der relativ häufig vorkommende Aminosäureaustausch S83I sowie die verschiedenen Austausche von D57 im ParC-Protein werden jedoch als ursächlich für eine FC-Resistenz angesehen. Die klinische Konsequenz weiterer Mutationen in der Antibiotikabinderegion von ParC ist nicht abschließend geklärt.

Nach Behandlung mit Minocyclin und Pristinamycin sind nur vereinzelt Therapieausfälle beschrieben. Die Ursache(n) des Vorliegens einer möglichen Resistenz ist Gegenstand laufender Studien (möglicherweise Mutationen der 16S rRNA), so dass momentan eine molekulare Testung der Empfindlichkeit eines Stammes gegenüber diesen Antibiotika nicht möglich ist.

Immer häufiger

Eine aktuelle Meta-Analyse ergab, dass, in Abhängigkeit von der Region, international inzwischen mittlere Resistenzraten von 30% (ML) bzw. 10% (FC) gemessen werden. Für Europa war in den letzten Jahren ein Anstieg beider Werte festzustellen. Eigene Untersuchungen in Deutschland haben gezeigt, dass in Risikopopulationen (MSM, HIV-positive Personen, Sexarbeiter:innen) mit Resistenzraten von 80% bzw. 30% gegenüber ML bzw. FC zu rechnen ist. Während die Rate der ML-Resistenz in dieser Gruppe über die vergangenen Jahre weitgehend unverändert blieb, hat sich die Empfindlichkeit gegenüber FC verringert. Unter Heterosexuellen ohne bekanntes Risikoprofil liegen die Raten signifikant niedriger, erreichen mit 40% bzw. 12% jedoch inzwischen ebenfalls ein besorgniserregendes Niveau (Daten aus bundesweiten Einsendungen an das Konsiliarlabor). FC-resistente Stämme sind in der Regel auch ML-resistent, so dass die Rate doppelresistenter Stämme unter diesen Patienten bei gegenwärtig ca. 10% liegt. Durch die genannten Häufigkeiten einer Resistenz bei den in Deutschland zirkulierenden Stämmen ist eine Antibiotikatherapie ohne vorherige molekulare Empfindlichkeitstestung kaum noch sinnvoll. Dieser - auch international bestätigten Tatsache - tragen die Leitlinien zur Behandlung von M. genitalium-Infektionen Rechnung und empfehlen übereinstimmend eine entsprechende Testung (Tab. 1 siehe vorherige Seite). Nach europäischer Leitlinie ist darüber hinaus grundsätzlich eine Prüfung des therapeutischen Erfolgs (ToC) vorzunehmen.

Kostenlos testen

Aufgrund der gegenwärtigen Situation bietet das Konsiliarlabor für Mykoplasmen bei bereits durchgeführtem M. genitalium-Nachweis und vorgesehener Therapie im Rahmen der vom Robert Koch-Institut zur Verfügung gestellten Mittel kostenlos eine molekulare Resistenztestung an (vorzugsweise aus M. genitalium-positiver DNA, jedoch auch aus geeignetem klinischem Material, wie urogenitalen, pharyngalen oder rektalen Abstrichen bzw. Urin). Das Ergebnis liegt in der Regel 3-4 Arbeitstage nach Probeneingang vor.

Abschließend ist festzustellen, dass unter den gegebenen Bedingungen nur eine Resistenz-geleitete Therapie zu einer Verringerung der Gefahr nicht mehr behandelbarer M. genitalium-Infektionen führen wird.



Ausgabe 2 - 2026Back

DAIG LogoDGI LogoDSTIG LogoPEG Logo

Meldungen

  • Epidemiologie

    14. Juli 2026: Aktuell: Masern, Dengue, MPOX und Ebola weiter

  • Transsexualität

    13. Juli 2026: Transmänner - Schwangerschaft und Geburten weiter

  • Hepatitis C

    12. Juli 2026: Sofosbuvir/Velpatasvir-Konzentration in Muttermilch weiter

  • Sexuell übertragbare Infektion

    07. Juli 2026: Faziale Klebisellen-Folliculitis durch ano-oralen Kontakt weiter

  • Newsletter online

    Jeden Monat akutelle Informationen rund ums Thema HIV und sexuell übertragbare Erkrankungen.

    Für Ärzt_innen, Menschen mit HIV und alle Interessierten.

    Anmeldung hier

  • Marburg-Virus

    07. Juli 2026: Erstmals sexuelle Transmission beschrieben weiter

  • Reisemedizin

    06. Juli 2026: Aktualisierung der Reiseimpfempfehlungen 2026 weiter

  • Robotik

    06. Juli 2026: Taucheranzug für Kakerlaken weiter

  • Hannibal

    06. Juli 2026: Wahrscheinlichster Weg des Alpenübergangs weiter

  • Immunschwäche

    02. Juli 2026: ZNS-Lymphome weiter

  • HTLV-1/HIV

    02. Juli 2026: Transmissionsrisiko von HTLV-1 beim Stillen erhöht weiter

  • Nahrungsergänzungsmittel und mehr:

    30. Juni 2026: Die Relevanz von Interaktionen mit der antiretroviralen Therapie weiter

  • Phagentherapie

    28. Juni 2026: 15 Millionen Förderung für klinisches Projekt REPhRAME weiter

  • HIV-Infektion

    28. Juni 2026: Epidemiologische Entwicklung 2025 weiter

  • Hepatitis C

    24. Juni 2026: Glecaprevir/Pibrentasvir(Maviret® ) für akute Hepatitis C zugelassen weiter

  • Gesellschaft

    24. Juni 2026: Popsongs in Deutschland und USA immer selbstbezogener weiter

Ältere Meldungen weiter

Diese Webseite bietet Informationen rund um das Thema Infektionen, Infektionskrankheiten, bakterielle Infektionen, virale Infektionen, Antibiotika, Virostatika, Infektionsschutz und Impfungen. Die aktuellen Informationen aus Medizin und Industrie richten sich an Infektiologinnen und Infektiologen, an Ärztinnen und Ärzte mit Interesse an Infektiologie.