KIT 2026
dgi LogoInfektionsmedizin zwischen Innovation, Menschen- nähe und gesundheitspolitischer Verantwortung

Mit mehr als 100 wissenschaftlichen Veranstaltungen, hochkarätigen internationalen Referierenden und intensivem fach­lichem Austausch hat der 17. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2026) vom 17. bis 20. Juni in Köln die Vielfalt und Dynamik der modernen Infektionsmedizin eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Norma Jung und Prof. Dr. Siegbert Rieg (DGI), Priv.-Doz. Dr. Katrin Mehler (DGPI) sowie Dr. Dr. Carsten Köhler und Prof. Dr. Torsten Feldt (DTG) kamen Expertinnen und Experten aus Klinik, Wissenschaft, Öffentlichem Gesundheitsdienst und Nachwuchsförderung zusammen.

Foto: Dr. Till KochFoto: Dr. Till Koch

Veranstaltet wurde der Kongress von der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) in Kooperation mit der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) und der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Infektionstherapie (PEG).

Gesundheitspolitik und Versorgung im Fokus

Zum Auftakt setzte die DGI mit einer Pressemitteilung ein deutliches gesundheitspolitisches Signal. Darin forderte sie eine strukturelle Verankerung der Infektiologie in der gesamten Breite des deutschen Gesundheitssystems. Darüber hinaus ist eine dauerhafte finanzielle Absicherung der ­sieben infektiologischen Sonder­isolierstationen in Deutschland unverzichtbar. Angesichts möglicher High Consequence Infectious Diseases (HCID)-Fälle seien diese hochspezialisierten Strukturen ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. DGI-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Maria J.G.T. Vehreschild betonte, dass ihr Erhalt keine Luxusvorhaltung, sondern eine Voraussetzung für ein krisenfestes Gesundheitssystem sei.

Auch die im Rahmen der Eröffnung entgegengenommenen politischen Grußworte von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken unterstrichen die wachsende Bedeutung der Infektionsmedizin für die zukünftige Gesundheitsversorgung.

Wissenschaftliche ­Schwerpunkte

Das Programm griff die zentralen Herausforderungen der Infektionsmedizin auf. Ein Schwerpunkt lag auf den Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz. Der Medizinethiker Giovanni Maio eröffnete den Kongress mit einer differenzierten Betrachtung der Frage, wie KI ärztliche Entscheidungen unterstützen kann, ohne Verantwortung und klinische Erfahrung zu ersetzen.

Weitere Schwerpunkte waren Antibiotikaresistenzen, Antibiotic Stewardship, moderne Diagnostik sowie die Auswirkungen von Klimawandel und Globalisierung auf Infektionskrankheiten. ­Sandra Junglen zeigte, wie sich durch die Ausbreitung von Vektoren tropische Erreger zunehmend auch in Europa etablieren könnten. Das One-Health-Konzept zog sich dabei als verbindendes Thema durch zahlreiche Veranstaltungen.

Ebenso wurden HIV, sexuell übertragbare Infektionen, Reise- und Tropenmedizin, Impfstrategien sowie die zukünftige Rolle der Infektionsmedizin im ­Rahmen der Gesundheits- und Kran­ken­hausreform intensiv diskutiert.

Internationale Impulse und ­Wissenschaftskommunikation

Zu den wissenschaftlichen Höhepunkten zählten die Plenarvorträge renommierter internationaler Expertinnen und Experten. Karl-Heinz Leven ordnete Pandemien historisch ein, Yvonne ­Gilleece beleuchtete aktuelle Entwicklungen in der HIV-Versorgung und Beate Kampmann sprach über globale Gesundheitskrisen, geopolitische Veränderungen und die zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit. Ideal ergänzt wurden die Plenarvorträge von ­Sandra Ciesek mit ihrem erhellenden Vortrag „Fakten und postfaktische Umdeutung“.

Den Abschluss bildete Brad Spellberg (Los Angeles) mit seinem vielbeachteten Vortrag zur oralen Therapie schwerer bakterieller Infektionen in der allerletzten Sitzung vor einem vollen Festsaal des Gürzenich. Sein Fazit „Oral is the new i.v.“ stand exemplarisch für den Anspruch des Kongresses, wissenschaftliche Evidenz konsequent in die klinische Praxis zu übertragen.

Nachwuchs, Vernetzung und ­Innovatives

Die Kongresspräsidentinnen und -präsidenten von li. nach re. : Prof. Dr. Norma Jung (DGI), Priv.-Doz. Dr. Katrin Mehler (DGPI), Dr. Dr. Carsten Köhler (DTG), Prof. Dr. Torsten Feldt (DTG) und Prof. Dr. Siegbert Rieg (DGI) Foto: Dr. Franzi Trommel
Die Kongresspräsidentinnen und -präsidenten von li. nach re. : Prof. Dr. Norma Jung (DGI), Priv.-Doz. Dr. Katrin Mehler (DGPI), Dr. Dr. Carsten Köhler (DTG), Prof. Dr. Torsten Feldt (DTG) und Prof. Dr. Siegbert Rieg (DGI) Foto: Dr. Franzi Trommel

Der KIT 2026 setzte erneut ein starkes Zeichen für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Zahlreiche Preise würdigten herausragende Forschungsleistungen, darunter die Preise der DGI mit dem HIV/AIDS-Forschungspreis für Prof. Dr. Christian Gaebler, dem Meta-Alexander-Preis für Dr. David Hillus sowie mehrere gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) vergebene Promotionspreise.

Auch Poster- und Vortragspreise sowie Formate wie der Nachwuchscorner boten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine sichtbare Plattform. Bemerkenswert war zudem die Entwicklung, dass fast die Hälfte der Referierenden weiblich war. Zahlreiche Sitzungen wurden gemeinsam von erfahrenen und jüngeren Kolleginnen und Kollegen geleitet und neue Formate wie Zirkeltraining, Speeddating und Scavenger Hunt fanden großen Anklang.

Neue kreative Impulse setzte auch der Fotowettbewerb „Infektionsmedizin menschennah“, der bewegende Moment des ärztlichen Handels sichtbar machte. Die besten Einsendungen konnten in einer Ausstellung bewundert und drei PreisträgerInnen geehrt werden (Indrajit Ghosh, Inge Kroidl, Anna Hansel). Darüber hinaus boten das Get-together im Gürzenich, der erstmals veranstaltete KIT-Charity-Lauf und die neu ins Programm aufgenommene rauschende Party im Gewölbetraum vielfältige Möglichkeiten zum persönlichen Austausch. Gerade diese Vernetzung über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg gehört seit Jahren zu den besonderen Stärken des KIT und wurde weiter ausgebaut.

Fazit

Der KIT 2026 machte deutlich, dass Infektionsmedizin heute weit über die Behandlung einzelner Infektionserkrankungen hinausgeht. Themen wie Künstliche Intelligenz, Antibiotikaresistenzen, One Health, globale Gesundheitsbedrohungen und die Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen zeigen, wie eng Forschung, Klinik und Gesundheitspolitik miteinander verbunden sind.

Was bleibt: Die deutsche Infektiologie und Infektionsforschung behauptet sich trotz politischer und ökonomischer Herausforderungen erfolgreich. Sie ist jünger, dynamischer und innovativer denn je. Der spürbare Teamgeist und die ausgeprägte Kollegialität zeigen, dass genau diese Zusammenarbeit die Grundlage für den Erfolg unseres Fachs bildet.

Mit seinem hochkarätigen wissenschaftlichen Programm, seiner internationalen Ausrichtung und der starken Einbindung des Nachwuchses bestätigte der Kongress seine Rolle als wichtigstes Forum der deutschsprachigen Infektionsmedizin.

Die Vorfreude richtet sich jetzt bereits auf den nächsten KIT, der vom 21. bis 24. Juni 2028 in Berlin stattfinden wird.


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