Familienmedizin
06. September 2026
Nahezu alle Ärztinnen und Ärzte sind in die medizinische Behandlung eigener Angehöriger involviert. Die Sicht von Arztkindern auf die Behandlung durch ihre ärztlich tätigen Eltern ist bisher unzureichend untersucht. Um zu explorieren, wie Kinder die medizinische Behandlung durch ärztlich tätige Eltern erleben, wurden qualitative, halbstrukturierte Interviews mit jungen Erwachsenen durchgeführt, deren Mutter und/oder Vater ärztlich tätig war oder ist.
Es wurden Interviews mit neun weiblichen und vier männlichen Personen im Alter von 19 bis 28 Jahren geführt, von denen drei bereits im Kindesalter chronisch krank waren. Bei fünf Teilnehmenden waren beide Elternteile ärztlich tätig. Die hauptsächlichen Fachrichtungen waren Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Anästhesie und Unfallchirurgie. Die Interviews dauerten im Mittel 34 : 24 Minuten (24 : 20–60 : 12 min).
Es lassen sich unter anderem folgende zentrale Hypothesen ableiten:
1) Arztkinder wachsen in einem „Parallel-Gesundheitssystem“ abseits der sonstigen Routine mit ständiger Verfügbarkeit medizinischer Leistungen auf;
2) nicht nur Eltern, sondern auch Arztkinder erleben einen Rollenkonflikt, der sie beispielsweise in Loyalitätskonflikte versetzt, wenn sie als junge Erwachsene selbstständig Ärztinnen und Ärzte mit gleichem Fachgebiet außerhalb des familiären Umfelds aufsuchen möchten;
3) Arztkinder erhalten in Krankheitsfällen tendenziell einen ungenügenden emotionalen Beistand durch ihre Eltern, die überwiegend sachlich in ihrer professionelle Rolle agieren.








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