Kommentar: Prof. Christoph Spinner, München
Medizinische Exzellenz trifft infrastrukturelle Realität

vlnr: Christoph Spinner und Sebastian Noe, ­München und Stefan Esser, Essen © C. Spinner
vlnr: Christoph Spinner und Sebastian Noe, ­München und Stefan Esser, Essen © C. Spinner

Die globale HIV-Versorgung steht trotz historischer Durchbrüche vor einer harten Bewährungsprobe: Während weltweit 32 Millionen Menschen unter ART leben und die HIV-Neuinfektionen seit 2010 um 42% gesunken sind, führt der massive Einbruch internationaler Gelder – allen voran Kürzungen bei PEPFAR – zu spürbaren Verwerfungen und ersten PrEP-Rückgängen in betroffenen Versorgungsnetzen.

Für uns in den deutschen HIV-Schwerpunktpraxen und Infektiologien unterstreicht diese Entwicklung die Pflicht, Versorgungsstrukturen politisch zu verteidigen und den Zugang zu Innovationen nahtlos im Praxisalltag zu verankern.

Inhaltlich markiert AIDS 2026 in Rio de Janeiro die Transformation zur langwirksamen Therapie und Prävention. Die finalen Phase-III-Daten zur einmal wöchentlichen oralen Kombination aus Islatravir/Lenacapavir (ISLEND) sowie die breite Einführung des halbjährlichen injizierbaren Lenacapavirs (bereits in 10 Ländern im Rollout) setzen neue Standards. Mit MK-8527 wird eine monatliche PrEP in klinischen Studien untersucht. Gleichzeitig erweitern aktualisierte WHO-Empfehlungen zur Doxycyclin-PEP sowie konsolidierte Leitlinien zur STI-Integration das Spektrum auch global.

Trotz den vielen Fortschritten ist der globale Trend auf der Konferenz eindeutig: High-End-Medizin schützt nicht vor Versorgungslücken, wenn Budgets konsolidiert werden. Unsere Aufgabe als Behandler und Meinungsbildner in Berufsverbänden, KVen und Fach­gesellschaften ist es daher, klinische Innovation zeitnah in nachhaltige Versorgungs- und Abrechnungsrealitäten zu übersetzen. Das ist vor allem vor den anstehenden Reformen im deutschen Gesundheitswesen und bei stabil-steigenden HIV-Neuinfektionen von hoher ­Relevanz.

© Marcia Meoreia© Marcia Meoreia

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