2/2026 Editorial
Liebe Leserin,
lieber Leser,
Mycoplasma genitalium – ein relevantes Problem?
Ja, Mycoplasma genitalium (MG) ist ein Problem. MG gehört zu den häufigsten Erregern einer symptomatischen Urethritis bei MSM. Der Nachweis mittels PCR stellt kein Problem dar, wohl aber die Behandlung. Internationale Daten und auch die vorliegende deutsche Langzeitstudie zeigen, dass Resistenzen gegen Makrolide und Chinolone immer häufiger werden. In Berlin waren bis zu einem Drittel der MG-Stämme bei MSM gegen beide Antibiotika-Klassen potentiell resistent. Hintergrund der galoppierenden Resistenzentwicklung ist der Selektionsdruck durch Antibiotika. Die Empfehlung asymptomatische Personen nicht ohne Anlass auf MG zu screenen, ist daher sehr sinnvoll - denn aus jedem positiven Befund resultiert eine Behandlungsindikation und damit eine (in diesen Fällen unnötige) Antibiotikagabe.
Die Integrase-Falle
Integrasehemmer (INSTI) der zweiten
Generation sind die am meisten verordneten antiretroviralen Medikamente.
Nicht nur weil sie ein „no brainer“ sind, sondern auch weil sie wirksam
und verträglich sind und eine hohe Resistenzschwelle haben. Gerade
darum sollte man diese Substanzklasse nicht aufs Spiel setzen.
Resistenzen sind zwar selten, aber es gibt sie und sie sind – so
Christian Hoffmann –„kein Schicksal, sondern ein Fehler“. Sind Sie
anderer Meinung?
Schreiben Sie uns an redaktion@infectionandmore.de.
Neue STI: Dermatophilose
Der Anstieg von sexuell übertragbaren Infektionen in Europa verläuft weiterhin ungebremst – insbesondere bei MSM. Nun kommt eine neue Infektion hinzu: Die Dermatophilose, ursprünglich eine Zoonose, ausgelöst vom Bakterium Dermatophilus congolensis. Die ersten Fälle wurden in den bekannten „hot spots“ Paris und Barcelona, jetzt auch in Berlin und Köln beobachtet. Die Infektion ist gut behandelbar, wenn man sie erkennt, d.h. Augen auf und dran denken.
Digitale HIV-Versorgung
Digital Health Interventions (DHI) – ein Übergriff für alle Arten digitaler Applikationen im Gesundheitswesen – sind so vielfältig wie ihre Ziele und Anwendungen. Immer wiederkehrende Betreuungsprozesse lassen sich durch DHI sicherlich Zeit- und Geld-sparend für beide Seiten abbilden. Doch dabei bleibt auf der Strecke, was bisher ein hohes Gut war: Die vertrauensvolle persönliche Bindung von Patient und Arzt (beides m, w, d). Den Fluss der Zeit kann man aber nicht aufhalten. Man muss mitschwimmen, wenn man nicht untergehen will.
Dr. Ramona Pauli









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