Antiretrovirale Therapie
16. Februar 2026
Die Studie VOLVER, die bereits auf der letzten HIV-Konferenz in Glasgow 2024 als Poster präsentiert wurde, ist nun publiziert. In der Studie wurde der Einfluss einer früheren M184V/I auf den Therapieerfolg von DTG/3TC im Switch-Setting bei supprimierten Patient*innen (n=121, 94% früher M184V/I) untersucht.
Nach 96 Wochen waren 85.7% (72/84) immer noch komplett supprimiert ohne Nachweis einer M184V/I, 66.7% (8/12) mit Nachweis zu Baseline und 100% (13/13) mit Nachweis zu Baseline und Woche 96. Bei letzteren war der Anteil von Viren mit M184V/I im NGS von 30% to 45% (p = 0.0037) angestiegen. Bei keinem der 24 Teilnehmenden mit einer M184V/I im NGS >5% kam es zum virologischen Versagen. Schlussfolgerung der Autoren: Der provirale Nachweis einer M184V/I korreliert nicht mit dem virologischen Outcome.
Die Orginalpublikation wurde im gleichen Heft von einem Kommentar von Aliza S Green , Jonathan Z Li und Paul E Sax begleitet. Die Autoren raten vom Switch auf DTG/3TC bei historischer M184V/I ab: Die Studie sei klein, selbst bei dieser hochselektierten Population sei es zum Anstieg der Viren mit M184V/I im NGS gekommen und der Vorteil einer dualen Therapie gegenüber einer Triple-Therapie sei nicht bewiesen.
Fazit: Sicherlich fehlt noch das letzte Quäntchen Evidenz für den Switch auf DTG/3TC bei einer historischen M184V/I in Form einer großen randomisierten Studie. Diese wird vermutlich nicht kommen. Also bleibt den Behandler*innen die Qual der Wahl, selbst zu entscheiden, wie hoch sie das Risiko eines virologischen Rebounds im individuellen Fall einschätzen.
Nicht vergessen sollte man dabei, dass die M184V/I ein wichtiges Element im Marketing-Kampf zweier großen Pharmakonzerne ist. So wird das Statement der Gruppe um Paul Sax auf der Webseite des Verlages von einer Produktanzeige von Gilead Sciences begleitet – allerdings nicht für Biktarvy®, sondern für Veklury® (Remdesivir), also ein anderes Indikationsgebiet.








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