HIV-Infektion
15. Juni 2026
Nachweis von defekten Viren bei niedriger
Virämie
Spuren von HIV im Plasma, auch als
Residualvirämie (RV)
bezeichnet, werden bei mehr als der Hälfte der Menschen mit HIV
(PWH) unter
antiretroviraler Therapie (ART) nachgewiesen. Hier lassen sich
typischerweise
nur wenige, z.B. 1–3 Kopien/ml nachweisen. Bei manchen Personen
ist jedoch
anhaltend eine niedrige Viruslast >
20 Kopien/ml nachweisbar, was als „nicht supprimierbare Virämie“
(NSV)
bezeichnet wird. Derzeit existiert keine formale standardisierte
Definition für
NSV. Der Begriff bezeichnet eine niedrige Virämie trotz
ART-Adhärenz und ohne
Vorliegen von Resistenzen, wobei in Studien Schwankungen bei den
Grenzwerten
der Viruslast und den Zeitdauer-Kriterien bestehen.
RV und NSV
spiegeln dasselbe Phänomen wider, nämlich die Freisetzung von
Viruspartikeln
aus infizierten Zellen, die aufgrund klonaler Expansion
fortbestehen. Der
Nachweis von Viren über der Nachweisgrenze macht – auch wenn es
sich um eine
geringe Viruslast handelt –Betroffenen wie Behandlern Sorgen.
NSV erschwert
zudem die Gestaltung und Einschlusskriterien von
Heilungsstudien, da dadurch
potenziell teilnahmeberechtigte PWH von klinischen Studien
ausgeschlossen
werden können.
Den nachweisbaren Proviren bei NSV können
Defekte in der
5′Leader (5′L)-Region zugrunde liegen. In einer größeren Kohorte von PWH
mit NSV zeigte
sich, dass 5′L-defekte Proviren die persistierende Viruslast
dominieren. Darauf
aufbauend wurde „CLAWS“ entwickelt, ein digitaler PCR-(dPCR)-Test,
der intakte
von defekten 5′L-RNA ohne Sequenzierung unterscheidet und so ein
schnelles,
kostengünstiges Werkzeug für die Erforschung von NSV und
-Heilungsstrategien
bietet.
Box, J.R., Camilo-Contreras, A., Dragoni, F. et
al.
5′ leader defects drive persistent HIV-1 viremia on long-term ART.
Nat
Commun 17, 4725 (2026). https://doi.org/10.1038/s41467-026-73475-5
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