Tauben-Paramyxovirus
15. Juni 2026
In Frankreich ist ein 69jähriger Mann ohne Immunschwäche 26 Tage nach stationärer Aufnahme an einer Enzephalitis verstorben. Postmortal wurde mittels metagenomischer NGS eine Infektion mit dem Taubenparamyxovirus Typ 1 (PPMV-1) festgestellt. Der Mann hatte Frankreich nie verlassen. Vermutlich hat er sich bei einem Aufenthalt in einem Waldgebiet in der Ardeche angesteckt.
Die Echtzeit-PCR von postmortalen und peripheren Proben zeigte eine ausgeprägte Neurotropie von PPMV-1 ohne Meningitis oder systemische Infektion zum Zeitpunkt der neurologischen Symptome. PPMV-1 konnte im Liquor mittels PCR oder Metagenomik nicht nachgewiesen werden. Die PCR einer bronchoalveolären Lavage 10 Tage nach Symptombeginn war negativ, was auf eine schwache und nur vorübergehende Replikation im Respirationstrakt hindeutet, obwohl dieser normalerweise den Eintrittsweg darstellt. Negative Blut-PCR-Ergebnisse an den Tagen 16 und 24 könnten eine kurze frühe Virämie widerspiegeln.
Die klinische Manifestation umfasste eine schwere Polyradikuloneuropathie mit entzündlichen Infiltraten im Rückenmark und in den peripheren Nerven, die bei anderen Fällen zuvor nicht beschrieben wurde. Der Patient zeigte zudem vergrößerte Lymphknoten; PPMV-1 wurde in geringer Menge in den rechten und linken Achsellymphknoten nachgewiesen. Eine Immunfärbung bestätigte die Virustropismus in diesen Lymphknoten. Die Aspiration von Lymphknoten könnte somit eine minimalinvasive Alternative zur Hirnbiopsie zur Diagnose einer PPMV-1-Enzephalitis darstellen.
PPMV-1 wird von Tauben oral und mit dem Kot
ausgeschieden.
Im Kot ist das Virus stabil und kann durch den Wind verbreitet
werden. Phylogenetische
Analysen zeigte, dass das Virus PPMV-1/Human/France/2023 zur
APMV-1 Klasse II, Genotyp
VI, Sub-Genotyp 2.1.1.2.2 gehört.








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