Hiv-Versorgung
Hoher Versorgungsstandard gefährdet

Dr. Martin Albrecht, IGES, stellt die Ergebnisse des Gutachtens auf dem Forum HIV in Berlin vor. Mehr als 60 Akteure aus Medizin, Forschung, Verbänden, Gesundheitspolitik und Selbstverwaltung kamen, um sich zu informieren und miteinander zu diskutieren
Dr. Martin Albrecht, IGES, stellt die Ergebnisse des Gutachtens auf dem Forum HIV in Berlin vor. Mehr als 60 Akteure aus Medizin, Forschung, Verbänden, Gesundheitspolitik und Selbstverwaltung kamen, um sich zu informieren und miteinander zu diskutieren
© Deutsche AIDS-Stiftung

Die Versorgung von Menschen mit HIV in Deutschland ist aktuell gut, aber schon in wenigen Jahren könnte es eng werden. Laut einem Gutachten, das die Deutsche AIDS-Stiftung, dagnä und DAIG in Auftrag gegeben haben, könnten bis 2035 bis zu 130 spezialisierte HIV-Ärztinnen und Ärzte fehlen. Das Gutachten wurde im Juli auf dem Forum HIV in Berlin vorgestellt.

Das IGES Institut, unabhängiges Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastruktur- und Gesundheitsfragen, hat auf Basis der ausgewerteten Daten die HIV-Versorgung in die Zukunft projiziert. Datengrundlage waren vertragsärztliche Abrechnungsdaten zur ambulanten HIV-Versorgung (2014 bis 2023), ergänzt durch Krankenhausberichte, Abrechnungsdaten zur stationären Versorgung sowie eine bundesweite Online-Befragung von Menschen mit HIV.

Die Gutachter warnen davor, dass bis 2035 bis zu 130 spezialisierte HIV-Ärztinnen und Ärzte fehlen könnten. Das aktuell noch leistungsfähige Versorgungssystem könnte schon bald schwächeln. Besonders betroffen wären Menschen mit HIV, die im ländlichen Raum leben und ältere Personen, die häufig mit Begleiterkrankungen wie Depressionen kämpfen.

Große Herausforderung

Besonders in ländlichen Regionen dünnt die Versorgung aus, weil sich das Ärzteangebot zunehmend auf große medizinische Versorgungszentren konzentriert. Diese sind eher in städtischen Ballungsräumen zu finden und kaum in ländlichen Regionen. Um die Qualität der Behandlung für die Zukunft zu sichern, haben die Gutachter ihren Bericht mit „Handlungsempfehlungen“ abgeschlossen. Mobilitätshilfen für Menschen aus ländlichen Regionen, Telemedizin und eine bessere Vernetzung zwischen HIV-Praxen und geriatrischen Einrichtungen sind drei davon.

Engagement


Wir müssen dafür sorgen, dass der Zugang zur spezialisierten HIV-Versorgung auch in Zukunft sichergestellt ist – unabhängig
von Region, Alter oder sonstigen Faktoren.“

Anne von Fallois, Vorstandsvorsitzende Deutsche AIDS-Stiftung

Die Deutsche AIDS-Stiftung wird sich weiter für den Erhalt einer guten medizinischen Versorgung aller Menschen mit HIV einsetzen und zugleich psycho-soziale Versorgungsangebote fördern. Sie wird nach ihren Möglichkeiten Angebote sichern und stärken und Menschen mit HIV, die in ihrer Versorgung gefährdet sind, unterstützen. Bei Bedarf beteiligt sich die Stiftung an Fahrtkosten zu weiter entfernten HIV-Spezialisten. Und sie ermöglicht Projekte, die innovativ auf die Herausforderungen reagieren, die die Gutachter benannt haben.

Nachwuchs fördern

Eine Handlungsempfehlung aus dem Gutachten zielt auf die Nachwuchsförderung: zum Beispiel in Form von Förderprogrammen für Praxen, flexiblen Weiterbildungsbefugnissen, mehr HIV-Inhalten in allgemeinmedizinischen und internistischen Weiterbildungen. Die Deutsche AIDS-Stiftung engagiert sich bereits mit der Vergabe von Stipendien, um junge Menschen, die an HIV und Aids als Arbeitsfeld interessiert sind, zu fördern.

Das vollständige Gutachten und eine Zusammenfassung finden Sie hier: https://aids-stiftung.de/wp-content/uploads/2025/08/HIV_Ergebnisbericht_final.pdf


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